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Job 6
Job 6
German Gruenewald (Grünewald) 1924
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1
Da gab ihm Job zur Antwort:
2
"Wenn doch mein Gram, mein Leid gewogen würde auf einer Waage, ganz genau,
3
so wär es schwerer als des Meeres Sand. Deshalb sind meine Worte unbedacht.
4
Des Höchsten Pfeile kenne ich zu gut, mein Geist saugt doch ihr Gift in sich hinein. Die Gottesschrecken überfallen mich.
5
Auf grüner Au, schreit da der Esel, und brüllt der Stier bei seinem Futter?
6
Kann man denn Fades ohne Salz genießen; besitzt das Eiweiß Wohlgeschmack?
7
So widert es mich an, auch jenes anzurühren, dergleichen gilt mir wie ein Trauerbrot.
8
Ach, daß mein Flehen Gnade fände, daß Gott erfüllte meinen Wunsch!
9
Gefiel es Gott, mich zu zermalmen; zerschnitt er rasch in Großmut meinen Lebensfaden!
10
Dies wäre noch ein Trost für mich; ich tanzte noch im schonungslosen Schmerze, weil ich mit Worten an den Heiligen nicht zurückgehalten.
11
Was ist denn meine Kraft, daß ich noch hoffen, mein Zweck, daß ich mich noch gedulden soll?
12
Ist meine Körperkraft aus Stein? Ist denn mein Fleisch aus Erz?
13
Verdiene ich denn keinen Beistand mehr? Ist jede Hilfe mir zu nehmen?
14
Dem Leidenden gebührt von seinem Freunde Liebe, und muß er selbst die Gottesfurcht beiseite lassen.
15
Die Brüder aber sind mir untreu wie die Bäche. - Sie zeigen nutzlos sich wie Wasserläufe,
16
die durch die Kälte trauern und die der Schnee verbirgt,
17
die ebenso, wenn sie durchglüht, verschwinden, wenn's heiß, getilgt von ihrem Orte sind,
18
und deren Wegeläufe ganz verkehrt. Sie steigen dann als Dunst hinauf und sind nicht mehr zu finden.
19
Die Karawanen Temas schauen danach aus; die Reisezüge Sabas rechnen drauf.
20
Doch ihr Vertrauen täuschet sie; sie kommen hin und sind dann schwer betrogen. -
21
Zu gar nichts nutze seid ihr freilich. Ihr seht das Unglück und verzaget.
22
Ja, habe ich euch gesagt: 'Von Eurem gebt mir! Aus eurem mühevoll erworbenen Gute zahlt für mich!
23
Befreit mich aus der Hand des Drängers! Vom harten Gläubiger erlöset mich!'
24
Belehrt mich eines Besseren, dann schweige ich. Zeigt mir doch meinen Irrtum!
25
Wozu verhöhnt ihr offne Worte, und was beweist denn ein Beweis von euch?
26
Ja, haltet ihr schon bloße Worte für Beweis, die Worte eines Armen aber nur für Wind?
27
Laßt ihr auf Waisen etwas kommen, und sprecht ihr gegen euren Freund?
28
Nun aber wollet mit Verlaub mir zuhören! Ich täusche eure Aufmerksamkeit mitnichten.
29
Hierher kehrt euch! Kein Unrecht laßt geschehen! Hierher kehrt euch! Im Rechte bin ich noch hierin.
30
Ist denn auf meiner Zunge einzig Unrecht? Verstehe ich denn nicht, was Sünde ist?"
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